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| dr.mottes textprobleme auch das achte fest der techno-jünger wollte der mit 38 jahren aus dem techno-alter herausgewachsene dr. motte mit bedeutungsvollen sätzen wie "musik ist frei und befreit, tanzen befreit" einläuten. kurz vor seinem auftritt versagte jedoch dr. motte die stimme. er zieht sich in die katakomben der berliner siegessäule zurück und sammelt kräfte für die grosse abschlusskundgebung. als er im schlichten grauen t-shirt dann vor der wogenden menge hunderttausender raver steht, ist die heiserkeit wie weggeblasen. genauso wie das manuskript. er hatte es beim umziehen liegengelassen. seine botschaft ist daher kurz: «back to the roots. unsere welt ist klang», ruft er verwirrt und blickt von den stufen der siegessäule auf ein meer in die luft gereckter arme. dann bläst dr. motte, der im wirklichen leben matthias roeingh heisst, auf einer südsee-muschel mehrere urtöne der techno-musik und grüsst in alle vier himmelsrichtungen. die zeremonie ist zu ende. das raver-volk jubelt. ein helfer bringt das manuskript. zu spät. die musik hat bereits eingesetzt. dr.motte hört kein mensch mehr. hier ist, exklusiv in deutschland, ein abdruck des manuskripts: Willkommen allen die uns zuhören und zusehen. Na, wie fühlt ihr euch? Wir hoffen, das ihr eine gute zeit habt! Wir kämpfen weiter für unsere ziele: toleranz, völkerverständigung und frieden. Wir demonstrieren hier, wie die welt sein kann. Unsere musik ist unsere sprache und unsere hand und der ausdruck unserer lebensfreude jedes tages und gerade auch sonntags. Musik kennt keine grenzen und schlägt so eine brücke gleich einem schmalen weg zwischen allen kulturen und allen menschen. Die wilden tage sind vorbei, wir werden älter. Waren unsere ziele vor wenigen jahren noch wilde partys und tolle frauen, laute musik und schrille klamotten, ist heute unser gemeinsamer wunsch friede und sonnenschein auf der erde. Die wünsche werden bescheidener. Das bestimmt unser handeln und unser aussehen. Wir wissen, dass unsere taten heute eine wirkung auf morgen und übermorgen haben. Wenn wir eine glückliche und friedliche zukunft wünschen, wo es keine kriege mehr gibt und umweltzerstörung, legen wir heute die grundlagen dafür oder morgen, aber dann muss es sein. Es braucht nur einen einzigen, der eine kleine oder grosse idee hat, wenn man sich darauf konzentriert und sie nicht vergisst, kann daraus so etwas grosses wie die love parade werden oder so etwas kleines wie der elternnachmittag des kindergartens sankt wolfgang. Wir leben alle auf der gleichen erde und haben alle mit dieser erde die gleiche zukunft, darum sollten wir heute daran denken, dass wir alle, du und ich auf der gleichen erde leben. Und die gleiche zukunft haben. Setzen wir mit liebe unsere gefühle, gedanken und worte in taten um, damit wir alle eine friedliche und glückliche zukunft für uns, unsere erde und die uns nachfolgenden generationen verwirklichen. Musik ist eine botschaft von herz zu herz und ist schwingung und geräusch, das alle menschen aller kulturen hören können. Unsere love parade ist die demonstration der einheit, durch die vielfalt der verschiedenheit des musikalischen zusammenspiels, durch das wir gemeinsamkeiten in der einheit der verschiedenheit erreichen. Zumindest müssen wir es versuchen. Denn wir müssen immer daran denken, dass wir alle, du und ich auf der gleichen erde leben. Damit wir eine glückliche zukunft haben, dürfen wir das nie vergessen. Darum fordern wir im interesse der jugend, welche die zukünftigen musikhörer sind, alle menschen dazu auf, eine lebensbejahende und verantwortungsbewußte, kreative gesellschaft aufzubauen mit viel tanz und musik, mit malnachmitagen im kindergarten unserer kinder und mit rollerblades an den füssen unserer frauen. Das ist was in uns lebt. Wir aber, haben die angeborene fähigkeit gemeinsam zu tanzen und zu singen, zu musizieren und zu lachen. Die zukunftsmusik spielt bereits. Ihr seid alle herzlich eingeladen mitzuspielen und zuzuhören. Und mitzutanzen. Vielen dank. ![]() Was ansonsten zu beobachten war: Jedes vierte mädchen auf der parade trug haarspängchen. Kleine, riesige, bunte, groteske. Und spaghetti-hemdchen, vorzugsweise mit chinesischen schriftzeichen. Darunter hot pants. Die feierten ein grosses comeback. Auch bei den jungs. Die bevorzugten allerdings knatschenge, schwarze radlershorts. Bei beiden geschlechtern schwer beliebt: gummi-badelatschen. Und natürlich die unausrottbaren plateau-klotzabsätze. Nur wer ganz hip war, trug offene stiletto-mules. Ein trupp junger männer beprostet sich mit kristall weissbier. Am nebentisch trinkt, still und verschämt, ein buntes, bis in den nacken tätowiertes paar ihre harmlose tasse kaffee. Vor dem bahnhof bringt sich eine gruppe von aufgepunkten teenies gemeinsam und liebevoll die haare in ordnung. |
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