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ein abend mit dirk, arne, jan, driks wg-genossen u.a.
es war neulich nach einem studiotermin. dirk war wie meist nach einem tag im studio noch völlig aufgedreht und meinte, wir sollen alle noch zusammen eine flasche jägermeister mit chassis trinken. doch zu spät. arne hatte bereits den moet aus dem handschuhfach geholt und fachmännisch mit den zähnen entkorkt. und sich dabei total die gelbe buntfaltenhose versaut. geschieht dir recht, meinte jan, was ziehst du dir auch immer die lächerliche gelbe hose an. immer noch besser als dieses ewig zu kleine young-angler-t-shirt von tadsens marina, entgegnete er. ich weiss nicht warum du immer über mich herziehst, aber es mir auch egal, sagte jan, schliesslich bin ich alt genug, selber zu bestimmen, was ich anziehe. erst gegen 23 uhr waren wir im pilsstüberl toni angekommen. die wirtin, die toni genannt wird wegen ihrer undurchsichtigen vergangenheit, begrüsst uns immer mit absolut untertriebener höflichkeit. dirk und arne sind nicht frisiert und jan muss sich erst mal die hände waschen, bevor er was zu essen kriegt. stolz berichtet er später, er habe sie aber ausgetrickst, da er aus trotz keine seife genommen habe. er lacht hinter vorgehaltener hand. das essen ist reichhaltig und gut. die pfannenkuchen sind goldgelb gebraten und noch warm. genau so müssen sie sein, nicht zu heiss, wegen der marmelade, und nicht zu weiss, weil sie dann noch laprig sind. ausserdem traut sich keiner, sich zu beschweren. Nicht dass man angst hat, aber toni schlägt fest zu.

da am freitag abend immer viel los ist bei toni, werden wir gebeten, die plätze an der bar wieder frei zu machen. normal würde ich mir das nicht gefallen lassen, schimpft draussen jan, aber wir beschliessen, dass wir gutmütige menschen sind und noch auf die feier von dirks wg-zimmergenossen gehen. mal wieder richtig abrocken, murmelt jan die ganze zeit im auto vor sich hin. den leuten zeigen, dass man noch genausoviel schwung hat, wie gestern. ausserdem haben wir durst. erst als wir uns verfahren haben, merken wir, dass arne abgeht. wieder bei tonis erfahren wir, dass er noch mit dem abwasch beschäftigt war. nun aber schnell wieder los, bevor die party ohne uns dem höhepunkt entgegeneilt. dirk stellt uns als wohnungsmakler vor. das hilft jedoch nichts, wir sind bereits erkannt worden. von der dame im hellblauen kostüm am buffett. die hatte uns noch gut in erinnerung von der silvesterfeier 98 in hannover. aber schliesslich konnten wir nicht wissen, dass wir sie jemals wieder sehen würden. es ist nicht so, dass wir älteren frauen keinen respekt entgegenbringen würden. dazu sind wir in vernünftigem masse durchaus bereit, aber es war das letzte brötchen mit grober streichwurst mit ganzen pfefferkörnern, und da hört die freundschaft auf. das problem stellte sich heute abend jedoch nicht, da die meisten essbaren dinge bereits abgeräumt waren. lediglich die schüssel kartoffelsalat und eine schale mit gurke waren noch übrig. dirk versuchte vergeblich die gurken so in den kartoffelsalat zu stecken, dass es die buchstaben kook ergaben, aber man konnte nur dass erste k erkennen. den mund noch voll pizzakräcker, ergreift jan das letzte baguette, das einzige utensil, das annähernd einem mikrofon ähnelt, und stimmt einige zeilen der neuen platte an: k.o.o.k., that´s what we say! k.o.o.k., we´re rocking that way!". knock-out, okay. man ist wie erschlagen, aber das ist schon in ordnung. nur die rechte stimmung will nicht auf das anwesende publikum überspringen, das sich brüskiert abwendet. mit anzüglichen gesten deutet jan den damen an, sich der soeben gestarteten polonaise anzuschliessen. dirk hingegen hat sich bereits auf den balkon zurückgezogen, um seiner lieblingsbeschäftigung nachzugehen: mit champagner-korken versucht er, amseln von der telefonleitung in etwa 5 meter entfernung zu schiessen. das ergebnis kann sich auch wirklich sehen lassen. 2 zerbrochene fensterscheiben im haus gegenüber und ein wild schimpfender schaffner nach dienstschluss. dirk lässt sich natürlich durch so kleine rückschläge nicht beeindrucken. ausserdem hat sich mittlerweile auch eine kleine schar junger mädchen unten auf der strasse versammelt, die zu uns hoch jubelt. dirk meint, das gälte ihm, fragt aber, warum sie banner hochhalten, auf denen das wort „plus“ mit rosa herzchen umrahmt ist. wir lachen hinter vorgehaltener hand und werfen den jungen dingern kusshändchen zu. den drei hübschesten rufen wir zu, sie dürften uns ihre telefonnummern mit lippenschaft auf unten stehende autos schreiben.

arne hingegen versucht gerade den zwei schutzpolizisten, die kamen um sich zu beschweren, zu erklären, dass die neuen texte der platte so sein sollen, dass man sich nicht umstandslos in sie einklinken kann. es ginge nicht mehr um identifikation mit einem auskunftsfreudigen, biographischen ich - dieses ist nun immer mehr im text aufgelöst; wie könnte es sonst u.a. vom allein-sein im altersheim singen? der polizist versucht sich in einer kläglichen antwort, versagt jedoch völlig in seiner argumentation, als es um die situation in "jackpot" geht. er meint, dass hier eine schwärmerische metapher schon im ansatz relativiert wird ("du bist der jackpot meines lebens. zugegeben, der vergleich ist eher schief als eben." arne lacht herzhaft und wirft ihn samt seines Kollegen hinaus. das schlichte wiedererkennen - im sinn von: "was die singen, ist so herrlich vertraut und banal..."- lässt arne hier nicht gelten. wir hingegen entgehen nur knapp dem rauswurf durch den wohnungsbesitzer, als wir ihn auf warmes bier und schlechtem geschmack bei der stoff- und musterauswahl für die couchgarnitur aufmerksam machen. schliesslich möchte man sich auch auf fremden feiern, bei denen man den gastgeber nicht kennt, nicht alles gefallen lassen. geschmacksverirung ist ein schwerer fehler, der nur noch durch schlechtes benehmen wettgemacht werden kann. ich werde mich morgen noch einmal um eine persönliche entschuldigung seinerseits bemühen müssen.


 
 
 
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